Stellungnahme zum Asana Spital 25.06.2026

Stellungnahme zur Neuausrichtung des Asana Spitals Menziken - Fragen Aargauer Zeitung Jörn Kerckhoff

1. Was ist Ihre Reaktion auf die Schliessung?

Die Schliessung des akutstationären Betriebs des Asana Spitals Menziken ist für unsere Region ein schwerer Einschnitt. Der Verlust von 149 Arbeitsplätzen und eines traditionsreichen Spitalstandorts ist schmerzhaft, sowohl für die betroffenen Mitarbeitenden als auch für die Bevölkerung.

Gleichzeitig begrüsse ich, dass der Gesundheitsstandort Menziken nicht vollständig verschwindet. Dass der Rettungsdienst, die ambulante Notfallversorgung, die Hausarztpraxis, das Ambulatorium sowie Angebote der Langzeitpflege erhalten bleiben, ist für die Region von grosser Bedeutung. Diese Angebote können den Verlust eines Akutspitals zwar nicht vollständig ersetzen, sichern aber weiterhin einen wichtigen Teil der wohnortsnahen medizinischen Versorgung.

Dennoch dürfen wir diese Entwicklung nicht isoliert betrachten. Aus meiner Sicht ist die Schliessung nicht die eigentliche Ursache des Problems, sondern ein Symptom eines Gesundheitssystems, das seit Jahren an strukturellen Fehlentwicklungen leidet.

Wir erleben heute die paradoxe Situation, dass die Gesundheitskosten Jahr für Jahr steigen, während das Leistungsangebot vielerorts abnimmt. In einem solchen System trifft es am Ende selten die grössten Profiteure. Es trifft vielmehr die Menschen, die täglich medizinische Leistungen erbringen, und diejenigen, die auf diese Leistungen angewiesen sind. Immer höhere Kosten bei gleichzeitig weniger Angebot dürfen nicht zur neuen Normalität werden.

Natürlich spielt die steigende Lebenserwartung auch eine Rolle und das ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung. Gleichzeitig beobachten wir aber auch eine zunehmende Medikalisierung unserer Gesellschaft. Für nahezu jedes Problem wird heute rasch eine medizinische oder medikamentöse Lösung gesucht, anstatt Prävention, Eigenverantwortung und einen gesunden Lebensstil stärker zu fördern. Ich spreche dabei ausdrücklich nicht von lebensnotwendigen Medikamenten oder Behandlungen, sondern von einer Entwicklung, die langfristig zu immer höheren Kosten führt.

2. Gab es im Vorfeld Signale, auf die man hätte reagieren können?

Die schwierige Situation vieler Regionalspitäler war seit Jahren bekannt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen haben sich über lange Zeit aufgebaut und kommen deshalb nicht überraschend. Die Ursachen liegen aber grösstenteils im System selbst und können weder von einem einzelnen Standort noch von einer einzelnen Gemeinde gelöst werden.

Aus meiner Sicht wurde politisch zu lange an Symptomen gearbeitet, statt die eigentlichen Ursachen anzugehen.

3. Welche Konsequenzen befürchten Sie für die Region?

Kurzfristig bedeutet die Schliessung längere Wege für stationäre Patientinnen und Patienten, den Verlust qualifizierter Arbeitsplätze und eine Schwächung des Wirtschaftsstandorts Menziken.

Positiv ist, dass wichtige ambulante Angebote am Standort erhalten bleiben. Entscheidend wird nun sein, diese langfristig zu sichern und sinnvoll mit den übrigen Gesundheitsdienstleistern der Region zu vernetzen.

Langfristig besteht jedoch die Gefahr, dass sich die stationäre Versorgung zunehmend auf wenige grosse Zentren konzentriert. Gerade ländliche Regionen dürfen dabei nicht zu den Verlierern werden.

4. Was haben Sie als Grossrat in den vergangenen Jahren getan, um den Spitalstandort Menziken zu erhalten?

Ich setze mich grundsätzlich für eine starke, qualitativ hochwertige und möglichst wohnortsnahe Gesundheitsversorgung ein. 

Erst am vergangenen Dienstag haben wir im Grossen Rat über die Prämienverbilligung diskutiert, was ja auch selbst ein Zeichen für die Probleme in unserem Gesundheitssystem ist. Aus bürgerlicher Sicht sind staatliche Umverteilungen grundsätzlich keine nachhaltige Lösung. Sie sind häufig ineffizient und können strukturelle Probleme nicht dauerhaft lösen. Trotzdem können wir die Prämienverbilligungen nicht einfach streichen, solange das Gesundheitssystem selbst ungerecht funktioniert.

Deshalb habe ich am Dienstag auch eine Kürzung nicht unterstützt. Es wäre aus meiner Sicht falsch, Familien und Menschen mit tiefen Einkommen die Folgen politischer Fehlentscheide tragen zu lassen. Zuerst müssen wir das System korrigieren.

5. Mit der Schliessung gehen 149 Arbeitsplätze verloren. Ist das für Sie eine unabwendbare Tatsache?

Jeder verlorene Arbeitsplatz ist einer zu viel. Ich hoffe sehr, dass möglichst viele der betroffenen Mitarbeitenden innerhalb des Gesundheitswesens wieder eine neue Perspektive finden.

Politisch müssen wir aber endlich bereit sein, die strukturellen Ursachen anzugehen. Aus meiner Sicht müssen insbesondere die Krankenversicherungen künftig stärker Verantwortung für die Sicherstellung einer funktionierenden Gesundheitsversorgung übernehmen. Es kann nicht sein, dass Regionalspitäler verschwinden, während diejenigen Akteure, die im Gesundheitssystem erhebliche finanzielle Mittel verwalten, für die Versorgungssicherheit kaum Verantwortung tragen.

Ebenso braucht es mehr Anreize für Eigenverantwortung. Wer sich gesund hält, Prävention ernst nimmt und Verantwortung für den eigenen Lebensstil übernimmt, sollte davon profitieren.

Gleichzeitig braucht es aus meiner Sicht auch wieder stärkere politische Anreize für Familien. Familien, die Kinder grossziehen, leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Zukunft unseres Landes. Sie sichern den Generationenvertrag und damit langfristig auch die Finanzierung unserer Sozial- und Gesundheitssysteme. Deshalb sollten wir Rahmenbedingungen schaffen, die Familien ermutigen und motivieren, Kinder zu bekommen und grosszuziehen. Hätten wir die demografische Entwicklung besser im Griff, wären viele Herausforderungen vom Fachkräftemangel über die Finanzierung der Sozialwerke bis hin zum Gesundheitswesen heute deutlich weniger ausgeprägt.

Wenn wir den Mut haben, die strukturellen Fehlentwicklungen unseres Gesundheitssystems (und darüber hinaus...) zu korrigieren, können wir verhindern, dass weitere Regionalspitäler das gleiche Schicksal erleiden. Es reicht nicht mehr, Symptome zu verwalten wir müssen endlich die Ursachen angehen.

Ich wünsche allen betroffenen Mitarbeitenden viel Kraft und Mut in dieser schwierigen Zeit.

Freundliche Grüsse

Simon Baumgartner

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Mut zur Veränderung 19.09.2025